UX in der Medizintechnik: Produkte, die im Klinikalltag den Unterschied machen
UX in der Medizintechnik: Produkte, die im Klinikalltag den Unterschied machen
UX in der Medizintechnik (Medical UX) umfasst die nutzerzentrierte Gestaltung von Medizingeräten, klinischer Software und Bedienoberflächen für medizinisches Fachpersonal. Im Unterschied zu UX in anderen Branchen hat Fehlgestaltung hier direkte Auswirkungen auf die Versorgungsqualität. Splore arbeitet mit Medizintechnik-Unternehmen an der Frage, wie klinische Workflows durch nutzerzentriertes Design sicherer und effizienter werden, von der frühen Bedürfnisanalyse mit klinischem Fachpersonal bis zur Validierung der Lösungen mit Anwendenden.
Was ist Medical UX, und warum braucht es spezialisierte Expertise?
Medical UX ist die Anwendung nutzerzentrierter Gestaltungsmethoden auf Medizinprodukte und klinische Systeme. Im Zentrum stehen die Arbeitsrealitäten von Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften und medizinisch-technischem Fachpersonal, aber auch die Erfahrungen von Patientinnen und Patienten, die mit diesen Systemen in Berührung kommen.
Was Medical UX von UX-Arbeit in anderen Branchen unterscheidet, ist die Konsequenz bei Fehlgestaltung: Ein schwer bedienbares Buchungssystem frustriert. Ein schwer bedienbares klinisches System gefährdet die Versorgungsqualität. Diese Unterscheidung bestimmt die gesamte methodische Herangehensweise, von der Tiefe der Nutzungsforschung bis zu den regulatorischen Anforderungen an den Designprozess. Am greifbarsten wird das am Beispiel der Angiographie: Kardiolog*innen können sich auf die eigentliche Prozedur und die Patientenversorgung besser konzentrieren, wenn das klinische System sie bestmöglich unterstützt — und intuitiv und einfach in der Bedienung ist.
Medizintechnik-Unternehmen stehen vor einer besonderen Herausforderung. Ihre Produkte müssen regulatorische Anforderungen erfüllen, etwa die IEC 62366 für Usability Engineering oder die MDR (Medical Device Regulation) für die Marktzulassung in Europa. Gleichzeitig müssen diese Produkte in hochkomplexe Arbeitsabläufe passen und unter Zeitdruck fehlerfrei bedienbar sein.
Die Informationsdichte im klinischen Umfeld wächst stetig, getrieben durch die zunehmende Digitalisierung klinischer Prozesse: Laborwerte, Bilddaten, Patientenhistorien, Behandlungsprotokolle. Jedes zusätzliche Feature, das nicht auf die tatsächlichen Abläufe im Versorgungsalltag abgestimmt ist, erhöht die kognitive Last des Fachpersonals, statt sie zu reduzieren. UX Design in der Medizintechnik bedeutet daher nicht mehr Funktionen, sondern die richtigen Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Als UX-Agentur für B2B-Unternehmen mit Schwerpunkt auf komplexe Produkte in regulierten Branchen bringt Splore die dafür nötigen Disziplinen zusammen: User Research im klinischen Kontext, Interaktionsdesign, Interface Design und UX-Konzeption. Diese Disziplinen arbeiten bei uns nicht nacheinander, sondern projektbegleitend, weil ein Medizingerät nur dann überzeugt, wenn es die richtigen Probleme der Anwendenden löst und diese Erkenntnisse in konkrete Interaktions- und Interface-Konzepte übersetzt werden.
Unser Ansatz folgt einem klaren Prinzip, das wir Desirability-First nennen: Zuerst verstehen, was Fachpersonal im Versorgungsalltag tatsächlich braucht. Dann prüfen, ob und wie eine technische Lösung dieses Bedürfnis adressiert. Dann wirtschaftlich bewerten. Diese Reihenfolge ist die Voraussetzung dafür, dass Produkte im Klinikalltag nicht nur technisch funktionieren, sondern auch tatsächlich eingesetzt werden.
User Experience in der Medizin ist damit kein nachgelagerter Designschritt. Es ist ein integraler Bestandteil der Produktentwicklung, der darüber entscheidet, ob ein Medizingerät die Arbeit von klinischem Fachpersonal erleichtert oder erschwert, und ob es sich aus Unternehmenssicht am Markt etabliert, weil es echten Wert für die Anwendenden schafft.
Warum UX in der Medizintechnik ein strategisches Werkzeug ist
In vielen Medizintechnik-Unternehmen wird UX als operative Zulieferdisziplin behandelt: Das Produktmanagement definiert die Anforderungen, die Entwicklung baut, und am Ende kümmert sich jemand um die Oberfläche. Diese Reihenfolge ist verbreitet, aber sie hat einen blinden Fleck. Die Frage, ob das Produkt im Versorgungsalltag tatsächlich angenommen wird, stellt erst der Markt.
Die strategische Funktion von UX besteht darin, diese Frage vor die Entwicklungsentscheidung zu ziehen.
1. Entwicklungsrisiken senken
Bevor ein Unternehmen in die Entwicklung investiert, lässt sich prüfen, ob der geplante Funktionsumfang zu den realen Abläufen im Klinikalltag passt. Ob Fachpersonal die Lösung als Entlastung oder als zusätzliche Komplexität wahrnimmt. Und ob die angestrebte Technologie, zum Beispiel ein KI-gestütztes Assistenzsystem, in der täglichen Praxis überhaupt Vertrauen genießt. Bei Splore nennen wir das Derisking Development: Risikominimierung durch frühzeitige Validierung mit den Menschen, die das Produkt später nutzen. Jona Rammler, Gründer von Splore und Mitautor von Fachpublikationen zu UX-Design im klinischen Kontext, hat dieses Prinzip in der Zusammenarbeit mit Medizintechnik-Herstellern geschärft, unter anderem im Podcast Behind the Screens, in dem die strategische Rolle von UX in der Produktentwicklung ein wiederkehrendes Thema ist.
In der Medizintechnik wiegt diese Vorprüfung besonders schwer. Anpassungen an einem zugelassenen Medizinprodukt sind aufwändig, teuer und regulatorisch komplex. Wer erst nach der Zulassung feststellt, dass das Bedienkonzept nicht zum klinischen Workflow passt, verliert nicht nur Budget, sondern auch die Akzeptanz beim Fachpersonal.
2. Akzeptanz sichern
Klinisches Fachpersonal hat wenig Toleranz für Systeme, die den Arbeitsablauf unterbrechen. Wird ein System als Verlangsamung wahrgenommen, wird es umgangen — egal wie leistungsfähig die Technologie. UX sichert Akzeptanz, indem sie die tatsächlichen Bedürfnisse des Fachpersonals zum Ausgangspunkt macht, nicht die Annahmen des Produktmanagements.
3. Komplexität reduzieren
Die kognitive Belastung im Versorgungsalltag steigt mit jeder neuen Datenquelle, jedem System, jedem Feature. UX in der Medizintechnik reduziert diese Komplexität: Informationen schichtweise aufbereiten, Abläufe vereinfachen, visuelle Hierarchien schaffen, die unter Zeitdruck funktionieren. Das bedeutet nicht weniger Funktionalität — es bedeutet klarere Priorisierung.
4. Regulatorische Anforderungen erfüllen
Die IEC 62366 fordert Usability Engineering für Medizinprodukte als Voraussetzung für die Marktzulassung. Unternehmen, die UX frühzeitig einbinden, erfüllen diese Anforderung als natürlichen Teil ihres Vorgehens — statt als nachträgliche Dokumentationsübung. Das spart Zeit, reduziert Nacharbeit und stärkt die regulatorische Argumentation gegenüber Benannten Stellen.
Der Unterschied zwischen UX als nachträglicher Kosmetik und UX als strategischer Instanz ist der zwischen Symptombehandlung und Risikomanagement. Splore unterstützt Medizintechnik-Unternehmen dabei, UX auf der strategischen Ebene zu verankern — dort, wo Produktentscheidungen getroffen werden.
Wie Splore in der Medizintechnik konkret arbeitet
Jedes Medical-UX-Projekt bei Splore beginnt mit einer Frage, die kein Datenblatt beantworten kann: Wie sieht der Arbeitsalltag der Menschen aus, die dieses Produkt bedienen werden? Was passiert in den ersten dreißig Sekunden, nachdem jemand den Raum betritt? Welche Information wird sofort gebraucht, welche kann warten?
Discovery: Dorthin gehen, wo die Arbeit stattfindet
Um das herauszufinden, gehen wir dorthin, wo die Arbeit stattfindet. Shadowing von ärztlichem Fachpersonal und Pflegekräften während realer Behandlungssituationen, Interviews an den Systemen, die täglich bedient werden, Beobachtung von Schichtwechseln und kritischen Entscheidungsmomenten. Diese Schritte sind keine optionalen Extras, sondern die Grundlage aller weiteren Entscheidungen. Wir entwickeln nicht für Kliniken, sondern mit klinischem Fachpersonal.
Splore arbeitet mit Medizintechnik-Herstellern — unter anderem mit Siemens Healthineers — an Fragen wie: Wie sieht die Zukunft spezialisierter klinischer Workflows aus? Wie lassen sich neuartige KI-Assistenzsysteme in bestehende Abläufe integrieren? Und wie sieht die Zukunft der Interaktion mit bildgebenden Therapiesystemen aus?
Konzeption und Prototyping: Ideen testbar machen
Aus den Research-Ergebnissen entwickeln wir Konzepte und machen sie über Prototypen testbar, bevor eine Zeile Produktionscode geschrieben wird. Ob als Klick-Dummy für eine neue Bedienoberfläche oder als simuliertes Szenario für einen klinischen Ablauf: Entscheidend ist, dass Fachpersonal den Entwurf bewerten kann, bevor er in die Entwicklung geht.
Was Splore dabei unterscheidet: Schon während der Nutzerinterviews arbeiten wir mit Konzeptskizzen als Stimuli. In der Gestaltungsphase entstehen UX-Designs, so konkret im Nutzungskontext gerendert, dass Behandlungsteams Feedback geben und Stakeholder fundierte Entscheidungen treffen können.
Testing und Validierung: Iteration mit den richtigen Personen
Iteratives Testing mit klinischem Fachpersonal stellt sicher, dass Designentscheidungen nicht auf internen Annahmen basieren, sondern auf beobachtetem Verhalten. Wir testen Prototypen in realistischen Szenarien: Zeitdruck, Datenflut, wechselnde Aufmerksamkeit. Die Ergebnisse fließen direkt in die nächste Designiteration.
Unsere Workflows berücksichtigen Usability-Anforderungen, sodass Kunden die Ergebnisse unseres Testings als Grundlage für ihre eigene Usability-Dokumentation nach IEC 62366 nutzen können. Die formale Validierung und regulatorische Nachweisführung liegt dabei beim Hersteller.
Integration: Übergabe an Entwicklung und Regulatory Affairs
Am Ende eines Splore-Projekts stehen dokumentierte Designspezifikationen, validierte Prototypen und Research-Ergebnisse, die direkt in die Entwicklung einfließen. Unsere Kunden können diese Ergebnisse für ihre regulatorische Dokumentation nutzen, die Produktverantwortung und Haftung verbleibt dabei stets beim Hersteller. Auf Wunsch begleiten wir die Umsetzung als UX-Sparringpartner über mehrere Monate.
Unsere Teams bündeln Kompetenzen aus User Research, Interaktionsdesign und Interface Design. In Medizintechnik-Projekten arbeiten diese Disziplinen eng mit weiteren Fachbereichen wie Industriedesign und Usability Engineering zusammen, die häufig auf Kundenseite oder durch spezialisierte Partner abgedeckt werden. Ein Produkt lässt sich nur im Zusammenspiel aller Perspektiven beurteilen.
Sie planen ein konkretes Projekt im Medizintechnik-Umfeld und überlegen, wo der richtige Einstieg liegt? Schreiben Sie uns kurz an hello@splore.de. Wir melden uns mit einer ersten Einschätzung.
Anwendungsfelder für UX Design in der Medizintechnik
Medical UX ist kein einheitliches Feld. Je nach Produkttyp, Anwendungskontext und Zielgruppe unterscheiden sich die Anforderungen erheblich. Ein Aspekt gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung: das Ecosystem der Hersteller. Eine einheitliche UX über alle Geräte in einem Interventionsraum sorgt dafür, dass Anwendende sich nicht in jedes System neu einarbeiten müssen — alles fühlt sich konsistent an und funktioniert nach denselben Prinzipien. Splore arbeitet in folgenden Anwendungsbereichen:
Klinische Bildgebung und Diagnostik
CT, MRT, Ultraschall, Röntgen: Bildgebende Systeme erzeugen große Datenmengen, die Fachpersonal unter Zeitdruck interpretieren muss. UX Design für Bildgebungssysteme bedeutet, diagnostisch relevante Informationen visuell so aufzubereiten, dass sie schnell erfasst und sicher bewertet werden können. Dazu gehören Informationsarchitekturen, die zwischen Übersicht und Detail wechseln, Interaktionskonzepte für Touchscreens in sterilen Umgebungen und Darstellungslogiken, die sich an den Behandlungspfad anpassen. Klinische Workflows spielen dabei eine zentrale Rolle — die Interaktion mit dem System muss sich nahtlos in den Behandlungsablauf einfügen.
Klinische Workflows und Software
Elektronische Patientenakten, klinische Entscheidungssysteme, Laborinformationssysteme: Klinische Software durchzieht den gesamten Versorgungsalltag. Wenn diese Systeme nicht auf die tatsächlichen Abläufe abgestimmt sind, erzeugen sie Reibung, die sich in Zeitverlust, Workarounds und Fehlerquellen niederschlägt. UX-Arbeit in diesem Bereich beginnt mit der Analyse des Ist-Workflows und entwickelt Lösungen, die sich in bestehende Abläufe einfügen, statt neue zu erzwingen.
Interventionsräume und Hybrid-OP
Im Interventionsraum, etwa bei Katheterbehandlungen oder bildgestützten Operationen, arbeiten Fachteams unter höchster Konzentration. Die Bedienoberflächen der eingesetzten Systeme müssen unter diesen Bedingungen fehlerfrei funktionieren: klare visuelle Hierarchien, eindeutige Interaktionsmuster, minimale Ablenkung. UX Design für diesen Kontext erfordert ein tiefes Verständnis der klinischen Abläufe und der Rollenverteilung im Team.
KI-Integration in klinische Systeme
Künstliche Intelligenz hält Einzug in die klinische Praxis, von der automatisierten Bildanalyse bis zu prädiktiven Algorithmen für Behandlungsentscheidungen. Die Herausforderung liegt nicht in der Technologie selbst, sondern in der Frage, wie klinisches Fachpersonal KI-Ergebnissen vertrauen und sie in ihren Entscheidungsprozess integrieren kann. UX-Arbeit macht KI-Systeme transparent, nachvollziehbar und kontrollierbar.
Software as a Medical Device (SaMD)
Eigenständige Software, die als Medizinprodukt klassifiziert wird, unterliegt besonderen regulatorischen Anforderungen an der Schnittstelle von UX Design, Usability Engineering und Compliance. Splore unterstützt Hersteller dabei, diese Anforderungen nach IEC 62366 von Anfang an in den Designprozess zu integrieren.
Kommunikation und Aufklärung für Patientinnen und Patienten
Medizintechnik richtet sich nicht nur an Fachpersonal. Patientinnen und Patienten interagieren zunehmend direkt mit medizinischen Systemen, über Patientenportale, Aufklärungstools oder Monitoring-Apps. Beide Nutzergruppen in einem Produkt zu berücksichtigen, ist eine zentrale Aufgabe von Medical UX im Bereich HealthTech.
Regulatorischer Kontext: IEC 62366 und MDR
Medizinprodukte unterliegen einem regulatorischen Rahmen, der UX-Arbeit direkt betrifft. Zwei Regelwerke sind für den europäischen Markt besonders relevant:
Die **IEC 62366** ist die internationale Norm für die Anwendung von Usability Engineering auf Medizinprodukte. Sie fordert die systematische Analyse von Nutzungsrisiken, die Durchführung von Usability-Tests und die Dokumentation der Ergebnisse als Teil des Entwicklungsprozesses. Für Hersteller bedeutet das: Usability Engineering ist kein optionaler Zusatz, sondern eine Voraussetzung für die Konformitätsbewertung.
Die **MDR (Medical Device Regulation)** regelt die Zulassung und Marktüberwachung von Medizinprodukten in der EU. Die MDR stellt erhöhte Anforderungen an die klinische Bewertung und die technische Dokumentation. Usability-bezogene Nachweise sind Teil dieser Dokumentation.
Für den US-Markt gelten zusätzlich die Anforderungen der **FDA (21 CFR Part 820)** an Human Factors Engineering, die in der Systematik der IEC 62366 ähneln, aber eigene Dokumentationsstandards erfordern.
Splore positioniert sich in diesem Kontext als UX-Dienstleister, nicht als Zertifizierungsberater. Wir kennen den regulatorischen Rahmen und gestalten unsere Methodik so, dass die Ergebnisse unserer Arbeit direkt in die regulatorische Nachweisführung einfließen können. Die formale Zulassung und Konformitätsbewertung liegt bei den internen Regulatory-Affairs-Abteilungen unserer Kunden.

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Wenn Sie vor der Frage stehen, wie die zukünftige UX Ihrer Medizingeräte aussehen soll, was Anwendende wirklich brauchen und welche Lösung den Unterschied macht, sprechen Sie uns an. Wir hören zu, stellen Fragen und finden heraus, ob und wie Splore helfen kann.
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