UX-Produktvision entwickeln — von der Idee zum belastbaren strategischen Zielbild

UX Produkt Vision

Eine UX-Produktvision ist ein strategisches Werkzeug, das Nutzerbedürfnisse, Marktchancen und Geschäftsziele in ein konkretes Zielbild überführt. Sie entsteht aus systematischer Kundenforschung und wird durch UX-Design-Arbeit in greifbare Konzepte und Lösungen übersetzt. Das Ergebnis: eine gemeinsame Richtung für Entwicklung, Design und Management, für bessere Entscheidungen und weniger Risiko von Fehlentwicklungen.

Warum eine Produktvision mehr ist als eine Folie

Viele Unternehmen haben eine Produktvision. Sie steht auf Folie drei der Quartals-Präsentation, und alle nicken. Das Problem: Diese Visionen basieren selten auf dem, was Kunden tatsächlich brauchen. Sie entstehen aus internen Annahmen, Marktbeobachtungen und dem, was die Geschäftsführung für richtig hält.

Eine UX-Produktvision funktioniert anders. Sie startet nicht mit der Lösung, sondern mit der Frage: Was wollen Ihre Kunden wirklich? Und: Lösen wir überhaupt das richtige Problem?

Eine Produktvision besteht im Kern aus Konzepten, die ein Produkt in den nächsten 5 bis 10 Jahren verbessern. Sie werden inspiriert durch Nutzerforschung und ergeben zusammen ein Bild der Zukunft. Kein abstraktes Strategiepapier, sondern ein konkretes Zielbild, das Teams ausrichten kann.

Wenn UX von Anfang an strategisch eingesetzt wird, entsteht nicht nur ein besseres Produkt, sondern oft eine vollwertige Produktstrategie. Bei Splore haben wir in Projekten erlebt, dass das UX-Leitbild vom Produktmanagement als tatsächliche Produktvision übernommen wurde. Nicht, weil wir es so geplant hatten, sondern weil die UX-Arbeit Dinge ans Licht brachte, die vorher nicht sichtbar waren: ungenutzte Kundenbedürfnisse, neue Angebotsbestandteile, konkrete Marktchancen.

Was eine UX-Produktvision leistet

Eine Produktvision aus UX-Perspektive beantwortet drei Fragen:

1. Was wollen Ihre Kunden wirklich?

Discovery und Research bilden den Ausgangspunkt. Bevor ein Konzept entsteht, braucht es Klarheit darüber, welche Probleme Kunden tatsächlich haben. Nicht welche Probleme das Unternehmen glaubt, dass sie haben. Das klingt selbstverständlich, ist es aber in der Praxis selten. Teams, die tief im Tagesgeschäft stecken, verlieren den Blick dafür, was sich am Markt verändert hat. Interne Annahmen verfestigen sich, und niemand stellt sie mehr in Frage.

Hier liegt der eigentliche Wert externer UX-Arbeit: Die Fähigkeit, systematisch zu hinterfragen. Am Anfang eines Projekts, in der Mitte und am Ende. Machen wir das Richtige? Verrennen wir uns? Welche Probleme lösen wir wirklich?

Diese Hinterfragungskompetenz ist kein abstraktes Konzept. Sie bedeutet konkret: Wir gehen mit Ihren Kunden ins Gespräch, beobachten reale Nutzungssituationen und konfrontieren Ihre internen Annahmen mit dem, was wir dort finden. Die Ergebnisse sind oft unbequem, aber sie verhindern, dass Sie Monate in eine Lösung investieren, die am Markt vorbeigeht.

2. Wo liegt ungenutztes Potenzial?

Die wertvollsten Innovationsimpulse kommen selten aus der Mitte der Zielgruppe. Sie kommen von den Rändern: von Extrem-Nutzern, die Produkte ans Limit bringen und deren Verhalten Bedürfnisse aufdeckt, die später für die breite Masse relevant werden.

In der UX-Forschung nennen wir das den invertierten Blick: Wer nutzt Ihr Angebot heute nicht, und warum? Was passiert, wenn Sie gezielt die Menschen befragen, die sich bewusst gegen Ihr Produkt entschieden haben? Die Antworten darauf sind oft aufschlussreicher als jede Kundenzufriedenheitsbefragung.

Dieses Prinzip gilt besonders für Unternehmen, die ihr Produktportfolio erweitern oder neue Geschäftsfelder erschließen wollen. Explorative Forschungsmethoden wie Greenfield Research setzen genau dort an: Sie suchen systematisch nach unentdeckten Bedürfnissen, die mit bestehenden Methoden unsichtbar bleiben. Aus dieser Arbeit entstehen nicht nur Verbesserungen am Kernprodukt, sondern konkrete Ansätze für neue Angebote.

3. Lässt sich der Wert quantifizieren?

Eine Produktvision, die nur als Inspiration dient, bleibt folgenlos. Deshalb starten wir mit der zentralen Frage: Löst es ein echtes Problem und ist es wünschenswert? Erst dann kommen Business Viability und technische Feasibility. Diese Reihenfolge ist bewusst gewählt, denn nur was wünschenswert ist, lässt sich sinnvoll bewerten.

Dieses Breakthrough-Modell (Desirability → Feasibility → Viability) stellt sicher, dass nicht der interne Business Case die Richtung vorgibt, sondern der tatsächliche Kundenbedarf.

UX-Prozesse minimieren Entwicklungsrisiken, indem sie frühzeitig Wissen generieren. Statt am Ende eines langen Entwicklungszyklus festzustellen, dass das Produkt an den Kundenbedürfnissen vorbeigeht, schafft ein UX-getriebener Prozess diese Klarheit in den ersten Wochen.

Für CFOs und Entscheider übersetzt sich das direkt in Euro: vermiedene Fehlentwicklungen, eingesparte Iterationsschleifen, schnellere Markteinführung auf Basis validierter Erkenntnisse.

Breakthrough Model
Breakthrough-Modell (Desirability → Feasibility → Viability)

Drei Ebenen der UX-Wertschöpfung

UX kann auf unterschiedlichen Ebenen wirken, je nachdem, welche Ambition Ihr Unternehmen mitbringt:

Ebene 1: Kernprodukt weiterentwickeln

Ein bestehendes Produkt wird optimiert. Usability-Probleme werden behoben, Workflows vereinfacht, die Nutzererfahrung verbessert. Oft geht es dabei auch um die Frage: Wie sieht die Zukunft in meinem Geschäftsfeld aus? Etwa im Bereich Ultraschall: Wie muss ich mich mit meinen Fähigkeiten positionieren? Was wollen Kunden wirklich, und was löst echte klinische oder operative Probleme? Das ist der Einstieg, den die meisten Unternehmen suchen, und er liefert schnelle, sichtbare Ergebnisse.

Ebene 2: Portfolio erweitern

UX-Research deckt auf, dass bestehende Kunden Bedürfnisse haben, die das aktuelle Angebot nicht abdeckt. Daraus entstehen neue Produkte oder Dienstleistungen, die auf dem vorhandenen Kundenstamm aufbauen.

Ebene 3: Neue Geschäftsfelder erschließen

Der weiteste Sprung: Explorative Forschung identifiziert Marktchancen, die bisher unsichtbar waren. Hier arbeiten wir mit Methoden wie Greenfield Research: qualitative Exploration in Zielgruppen, die Sie heute noch nicht bedienen. Aus dieser Arbeit kann eine vollständig neue Produktlinie entstehen.

Die strategische Wirkung von UX steht und fällt mit der Ambition des Auftraggebers. Wer UX nur für Workflow-Optimierung einkauft, bekommt Workflow-Optimierung. Wer bereit ist, die eigene Produktstrategie hinterfragen zu lassen, bekommt eine fundierte Grundlage für Entscheidungen, die das Unternehmen in den nächsten Jahren prägen.


Ambition Matrix
Innovation Ambition Matrix nach Bansi Nagji und Geoff Tuff


Designing the Right Thing — nicht Things Right

In der Produktentwicklung gibt es einen Unterschied, der vielen Teams nicht bewusst ist: Zwischen „das Richtige bauen" und „es richtig bauen". Die meisten Ressourcen fließen in Letzteres: saubere Umsetzung, Qualitätssicherung, technische Exzellenz. Das ist wichtig. Aber es hilft nicht, wenn das Grundkonzept in die falsche Richtung läuft.

Eine UX-Produktvision stellt sicher, dass zuerst das Richtige identifiziert wird. Dass ein Team sich nicht in der Perfektionierung einer Lösung verliert, die niemand braucht. In der Praxis bedeutet das: Bevor ein Interface designt oder eine Architektur definiert wird, werden Hypothesen getestet. Mit echten Nutzern. In echten Kontexten.

„Designing the Right Thing heißt eigentlich, die können auch einen roughen Prototypen bauen."

Das Prinzip zeigt sich bei Startups am deutlichsten: Teams, die mit einem konkreten Problem starten und dieses iterativ mit Kunden validieren, kommen schneller zu tragfähigen Produkten als Teams mit umfangreichen Anforderungsdokumenten und langen Entwicklungszyklen. Aber auch etablierte Unternehmen können dieses Prinzip adaptieren, wenn sie bereit sind, den Prozess zu öffnen.

Design Thinking Prozess

Der Blick von außen

Warum braucht es dafür einen externen Partner? Weil interne Teams, egal wie kompetent, in einer Betriebslogik arbeiten, die blinde Flecken hat. Wer täglich im selben Kontext arbeitet, hört irgendwann auf, die grundlegenden Annahmen in Frage zu stellen. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil das Tagesgeschäft das Hinterfragen verdrängt.

Ein externer UX-Blick durchbricht diese Betriebsblindheit. Nicht mit Provokation, sondern mit Methodik: systematische Nutzerforschung, strukturierte Interviews, Beobachtung im Nutzungskontext. Das heißt auch: Wir versetzen uns vor Ort in die Rolle der Nutzer. Das ist etwas, was andere Abteilungen selten tun. Ob bei einem Site Visit in einer Klinik in den USA, bei der Beobachtung klinischer Abläufe oder bei Interviews direkt im Nutzungskontext.

Die Ergebnisse zeigen, wo kursierende Annahmen nicht mit der Realität übereinstimmen. Genau dort, in der Lücke zwischen Annahme und Realität, entstehen die stärksten Innovationsimpulse.

Gleichzeitig ist externe UX-Arbeit kein Ersatz für internes Know-how. Die besten Ergebnisse entstehen, wenn externe Impulse und interne Verankerung zusammenspielen. Interne Teams kennen die Organisation, die Entscheidungswege, die Historie. Externe bringen die Fragen mit, die intern nie gestellt oder nie beantwortet wurden. Diese Kombination macht den Unterschied.


Wie wir arbeiten

Eine UX-Produktvision bei Splore entsteht in einem strukturierten Prozess:

Discovery

Wir verstehen Ihr Geschäftsmodell, Ihre Zielgruppen und den Status quo. Interviews mit Stakeholdern und Nutzerforschung laufen parallel, auch vor Ort. Wir versetzen uns in die Rolle der Nutzer, beobachten reale Abläufe und führen Interviews im Nutzungskontext. Daraus entstehen die richtigen Fragen.


Research & Synthese

Qualitative und quantitative Erkenntnisse werden zusammengeführt. Wir identifizieren Muster, validieren oder widerlegen Hypothesen und arbeiten die wichtigsten Chancen heraus. In manchen Projekten lassen wir Konzepte zusätzlich in einer quantitativen Studie testen. Die quantifizierbaren Ergebnisse dienen dem Management dann direkt als Entscheidungsgrundlage.


UX Design & Prototyping

Aus den Research-Ergebnissen entstehen konkrete Lösungen. Wir gehen dabei durch den vollständigen Designprozess und gestalten Lösungen so, als würden wir sie heute umsetzen. Was Splore dabei unterscheidet: Schon während der Nutzerinterviews arbeiten wir mit Konzeptskizzen als Stimuli. In der Create-Phase entstehen dann vollständige UX-Designs, gerendert im Nutzungskontext. Der Kunde erhält UX-Design seiner zukünftigen Produkte, so konkret, dass Teams Feedback geben können, Stakeholder in Advisory Boards darüber diskutieren und Entwicklungsteams sich hinter einem gemeinsamen Bild vereinen.

About UI Design


Vision & Strategie

Aus den Erkenntnissen und Designs entsteht ein konkretes Zielbild mit Prioritäten, Argumentationsgrundlage und belastbaren Entscheidungsgrundlagen. Das Ergebnis: eine Präsentation mit klarer Unternehmensambition, Research-Insights, Konzepten für Verbesserung und Innovation, übersetzt in konkrete Designlösungen und greifbare Nutzererlebnisse, plus Testergebnisse und Validierung.

Presentation


Übergabe & Weiterarbeit

Die Vision wird so aufbereitet, dass Ihr Team damit weiterarbeiten kann. Das kann ein Workshop-Format sein, eine dokumentierte Strategie, ein Film für internes Marketing oder ein begleitendes UX-Sparring über mehrere Monate.

Für wen ist eine UX-Produktvision sinnvoll?


Produktteams

Produktteams, die das Gefühl haben, dass ihr Produkt gewachsen ist, aber die Richtung fehlt

Produkt-Manager

Produkt-Manager, die wissen wollen, was die Kunden wirklich wollen, nicht was die Sales-Kollegen denken

Bereichsleiter

Bereichsleiter, die eine ganze Unit verantworten und ein UX-Team für mehrere Monate buchen, um deren Vision zu erarbeiten

Geschäftsführungen

Geschäftsführungen, die neue Geschäftsfelder erschließen wollen und eine fundierte Grundlage brauchen

Innovationsabteilungen

Innovationsabteilungen, die über erste Ideation-Workshops hinauskommen wollen

Unternehmen

Unternehmen vor einem Technologiewechsel, bei denen sich die Frage stellt, ob das bestehende Konzept noch trägt oder ob es Zeit für einen neuen Ansatz ist


Besonders in regulierten Branchen wie Medizintechnik und bei Unternehmen mit physischen Produkten und langen Entwicklungszyklen ist eine fundierte Produktvision kritisch. Hier können Fehlentwicklungen nicht mit einem schnellen Update korrigiert werden. Was falsch konzipiert wurde, bleibt jahrelang im Markt.

FAQ

Eine UX-Produktvision ist ein strategisches Zielbild, das auf systematischer Nutzerforschung basiert. Sie macht die zukünftige Lösung konkret greifbar in Form eines Nutzererlebnisses mit diesen Lösungen. Sie ist ganzheitlich angelegt, und aus ihr können später einzelne Features abgeleitet werden. Im Gegensatz zu technischen Roadmaps oder Feature-Listen stellt die UX-Produktvision den Kundennutzen in den Mittelpunkt.

Eine klassische Produktstrategie basiert oft auf Marktanalysen, Wettbewerbsbeobachtung und internen Zielen. Eine UX-Produktvision ergänzt diese Perspektive um systematische Kundenforschung: echte Nutzerbedürfnisse, beobachtete Verhaltensweisen und validierte Hypothesen. Die Kombination beider Perspektiven führt zu fundierteren Entscheidungen.

UX-Prozesse schaffen frühzeitig Wissen darüber, was Kunden wirklich brauchen. Durch qualitative Forschung und iteratives Testen werden Fehlentwicklungen erkannt, bevor hohe Kosten entstehen. Jona Rammler beschreibt diesen Effekt als „Derisking Development”: Risikominimierung durch frühzeitige Validierung.

Der Aufwand hängt von Scope und Komplexität ab. Bei Startups kann ein fokussierter Prozess etwa 3 Monate umfassen. Bei großen, komplexen Produkten wie Medizingeräten gehen wir von circa 6 Monaten aus. Schnelle Sprints können ein erster Startpunkt sein, aber Research, Umsetzung und Strategie brauchen Zeit für fundierte Ergebnisse. Entscheidend ist nicht die Dauer, sondern die Frage: Was kostet es, ohne fundierte Vision zu entwickeln?

Hinterfragungskompetenz beschreibt die Fähigkeit, Annahmen systematisch zu prüfen, nicht nur am Anfang eines Projekts, sondern fortlaufend. In der UX-Arbeit bedeutet das: Regelmäßig überprüfen, ob das Team noch das richtige Problem löst. Dieser Begriff wurde von Jona Rammler geprägt und beschreibt einen Kernwert externer UX-Beratung.

„Designing the Right Thing” bedeutet, zuerst herauszufinden, ob man das richtige Problem löst, bevor man in die perfekte Umsetzung investiert. Im Gegensatz dazu fokussiert „Designing Things Right” auf die optimale Umsetzung einer bereits definierten Lösung. Innovation entsteht primär beim „Right Thing”, also bei der richtigen Problemdefinition.

Jona Rammler

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Melde dich unverbindlich. Splore-Gründer Jona Rammler ist Experte für die Entwicklung digitaler Produkte und Services.

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